Selbsterfahrung für Therapeutinnen und Therapeuten in Ausbildung
Die eigene Person besser verstehen. In der therapeutischen Beziehung klarer handeln.
In der Psychotherapie wirkt die eigene Person immer mit. Biografische Erfahrungen, vertraute Rollen und persönliche Schutzstrategien beeinflussen, wie du auf Nähe, Distanz, Hilflosigkeit, Ärger, Rückzug oder hohe Erwartungen reagierst.
Ich biete Einzelselbsterfahrung für psychologische und ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Aus- und Weiterbildung an. Wir verbinden persönliche Themen mit der Frage, wie sie sich in deiner therapeutischen Arbeit zeigen. Ein besonderer Schwerpunkt kann auf Triggern im beruflichen Kontext liegen. Wenn es fachlich sinnvoll ist, können wir solche Belastungsreaktionen auch mit EMDR bearbeiten.

Selbsterfahrung mit Bezug zu deiner beruflichen Rolle
Selbsterfahrung ist mehr als ein Nachdenken über die eigene Biografie. Entscheidend ist, wie frühere Erfahrungen, Beziehungsmuster und innere Regeln heute in deiner Arbeit wirksam werden. Manche Reaktionen sind unmittelbar spürbar. Andere zeigen sich eher als Überverantwortung, Rückzug, besondere Strenge, ein starker Wunsch zu helfen oder die Angst, etwas falsch zu machen.
Wir arbeiten in deinem Tempo und mit der Tiefe, die für dein Anliegen sinnvoll ist. Du musst dich nicht möglichst weit öffnen oder private Themen ohne Bezug zu deiner professionellen Entwicklung erzählen. Ziel ist, eigene Reaktionen früher zu erkennen, besser einzuordnen und im beruflichen Alltag freier entscheiden zu können.
Mögliche Themen der Selbsterfahrung
Beziehung und Grenzen
- eigene Beziehungs- und Bindungsmuster in der therapeutischen Arbeit
- Nähe, Distanz, Grenzen und der Umgang mit Abhängigkeit
- Überverantwortung, Helferimpulse, Kontrolle oder Rückzug
Selbstwert und Resonanz
- Reaktionen auf Kritik, Ablehnung, Konflikte und Autorität
- Perfektionismus, Selbstwert und die Angst vor Fehlern
- persönliche Resonanz auf bestimmte Lebensgeschichten oder Patientengruppen
Belastung und Ressourcen
- Umgang mit Hilflosigkeit, Stagnation, Krisen und Therapieabbrüchen
- eigene Ressourcen, Regeneration und Schutz vor dauerhafter Überlastung
Trigger im beruflichen Kontext
Ein beruflicher Trigger ist eine aktuelle Situation, die eine deutlich stärkere oder länger anhaltende Reaktion auslöst, als sich allein aus dem gegenwärtigen Anlass erklären lässt. Das kann sich emotional, körperlich oder im eigenen Verhalten zeigen. Manche Kolleginnen und Kollegen werden innerlich sehr unruhig, fühlen sich wie blockiert, grübeln lange nach einer Sitzung oder vermeiden bestimmte Situationen.
Auslöser können zum Beispiel sein:
- Wut, Rückzug, Ablehnung oder starke Bedürftigkeit einer Patientin oder eines Patienten
- Berichte über Gewalt, Vernachlässigung, Missbrauch oder andere traumatische Erfahrungen
- Suizidalität, Krisen und das Gefühl, eine weitreichende Verantwortung zu tragen
- festgefahrene Behandlungen, Misserfolgserleben oder eigene Hilflosigkeit
- Grenzüberschreitungen, Drohungen, Aggression oder sexualisiertes Verhalten
- Konflikte mit Eltern, Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten oder Institutionen
- forensische Aufträge, Begutachtungssituationen und hoher Entscheidungsdruck
Zu Beginn klären wir, was zu der Reaktion beiträgt. Eine starke Resonanz kann eine wichtige Information über die therapeutische Beziehung sein. Sie kann mit der aktuellen Arbeitssituation, mit eigener biografischer Erfahrung oder mit beidem zusammenhängen. Nicht jede intensive Reaktion ist ein Trauma und nicht jeder Trigger muss mit EMDR bearbeitet werden.
EMDR bei Triggern im beruflichen Kontext
Wenn eine konkrete berufliche Situation wiederholt starke Belastung auslöst, kann EMDR ein geeigneter Bestandteil der Selbsterfahrung sein. Mögliche Ansatzpunkte sind belastende Bilder aus einer Behandlungssituation, anhaltende Scham oder Schuldgefühle, Angst vor Fehlern, körperliche Alarmreaktionen, Erstarren, Vermeidung oder Nachwirkungen von Bedrohung und Aggression.
Vor einer EMDR-Bearbeitung klären wir das Anliegen, die auslösende Situation und deine aktuelle Stabilität. Wir achten auf ausreichende Ressourcen und legen gemeinsam fest, woran wir arbeiten. Die bilaterale Stimulation ist dabei ein Teil eines strukturierten Prozesses. Danach prüfen wir, was sich verändert hat und wie du die neue Erfahrung in deinen beruflichen Alltag übertragen kannst.
Ich setze EMDR auf Grundlage meiner Weiterbildung und praktischen Erfahrung integrativ ein. Das Angebot ist keine methodenspezifische EMDR-Lehrselbsterfahrung innerhalb eines akkreditierten EMDR-Curriculums und führt nicht zu einer EMDR-Zertifizierung.
Selbsterfahrung Supervision und Psychotherapie
In der Supervision steht ein Fall oder eine berufliche Entscheidung im Mittelpunkt. In der Selbsterfahrung richtet sich der Blick stärker auf deine eigene Person in der professionellen Rolle. Psychotherapie dient dagegen der Behandlung psychischer Beschwerden oder Erkrankungen.
Diese Bereiche können sich berühren, sollten aber nicht unbemerkt ineinander übergehen. Wenn im Verlauf deutlich wird, dass eine therapeutische Behandlung in einem gesonderten Rahmen angezeigt ist, sprechen wir das offen an und klären das weitere Vorgehen. Selbsterfahrung ersetzt keine notwendige Psychotherapie.
Ablauf der Einzelselbsterfahrung
- Zu Beginn klären wir dein aktuelles Anliegen, deinen Ausbildungsstand und mögliche Vorgaben deines Ausbildungsinstituts.
- Wir betrachten konkrete berufliche Situationen und untersuchen, welche persönlichen Muster oder Erfahrungen darin aktiviert werden.
- Je nach Anliegen arbeiten wir im Gespräch, mit schematherapeutischen oder traumatherapeutischen Zugängen, mit Anteilsarbeit oder mit EMDR.
- Wir prüfen regelmässig, was sich in deiner Wahrnehmung, deinem Erleben und deinem professionellen Handeln verändert.
Formate und Rahmenbedingungen
- ausschliesslich Einzelselbsterfahrung
- persönlich in Tägerwilen oder online
- CHF 200 pro 60 Minuten
- Abrechnung nach der effektiven Sitzungsdauer
- kein Ausfallhonorar
- vertraulicher Rahmen
Ob und in welchem Umfang die Selbsterfahrung für deinen Weiterbildungsgang anerkannt wird, klärst du bitte vorab mit deinem Ausbildungsinstitut. Für EMDR online prüfen wir zusätzlich, ob Anliegen, Stabilität und Setting dafür geeignet sind.

Über mich
Ich bin Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und verfüge über ein DAS in Supervision und Selbsterfahrung. Berufliche Stationen waren die Erwachsenenpsychiatrie, die forensische Therapie, die ambulante und stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie die Jugendforensik. Seit 2016 führe ich meine eigene Praxis in Tägerwilen.
Meine Weiterbildungen umfassen Verhaltenstherapie, Schematherapie, EMDR, Kinderpsychotraumatologie, Enaktive Traumatherapie und tiergestützte Therapie. In der Selbsterfahrung verbinde ich diese Perspektiven mit deiner persönlichen Entwicklung und deinem konkreten beruflichen Alltag.
Häufige Fragen
Für wen ist die Selbsterfahrung gedacht
\u003cp\u003eDas Angebot richtet sich an psychologische und ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Aus- und Weiterbildung. Auch bei einem konkreten beruflichen Entwicklungsthema kannst du anfragen. Ob die Stunden formal anerkannt werden, hängt von den Vorgaben deines Ausbildungsinstituts ab.\u003c/p\u003e
Was ist der Unterschied zur Supervision
\u003cp\u003eIn der Supervision betrachten wir vor allem den Fall, den Auftrag und mögliche nächste Schritte. In der Selbsterfahrung untersuchen wir, was eine berufliche Situation in dir auslöst und wie persönliche Muster dein Erleben und Handeln beeinflussen.\u003c/p\u003e
Kann ich mit einem konkreten beruflichen Trigger kommen
\u003cp\u003eJa. Ein aktueller Trigger kann ein guter Ausgangspunkt sein. Wir klären zunächst die Situation und die Reaktion. Danach entscheiden wir, ob ein vertiefendes Gespräch, eine andere Form der Selbsterfahrung oder EMDR am besten zu deinem Anliegen passt.\u003c/p\u003e
Bedeutet ein Trigger automatisch dass ein Trauma vorliegt
\u003cp\u003eNein. Eine starke Reaktion kann viele Ursachen haben. Sie kann mit der aktuellen Belastung, der therapeutischen Beziehung, einem persönlichen Muster oder einer früheren Erfahrung zusammenhängen. Die Einordnung gehört zur gemeinsamen Arbeit und wird nicht vorschnell festgelegt.\u003c/p\u003e
Ist EMDR immer Bestandteil der Selbsterfahrung
\u003cp\u003eNein. EMDR ist eine mögliche Methode innerhalb meines integrativen Vorgehens. Wir setzen sie nur ein, wenn das Anliegen dafür geeignet ist und du dich bewusst dafür entscheidest. Selbsterfahrung kann vollständig ohne EMDR stattfinden.\u003c/p\u003e
Ist EMDR auch online möglich
\u003cp\u003eGrundsätzlich kann EMDR auch online durchgeführt werden. Vorher prüfen wir, ob das Anliegen, deine Stabilität, die technische Verbindung und ein ungestörter Rahmen zu Hause dafür ausreichen. Andernfalls vereinbaren wir einen persönlichen Termin in Tägerwilen.\u003c/p\u003e
Muss ich sehr persönliche Details erzählen
\u003cp\u003eDu entscheidest, welche Themen du einbringen möchtest. Für eine sorgfältige Einordnung brauche ich genügend Informationen zum Anliegen und zu möglichen Belastungen. Es geht jedoch nicht darum, möglichst viele private Details offenzulegen, sondern um das Verstehen der für deine professionelle Entwicklung relevanten Zusammenhänge.\u003c/p\u003e
Wann ist Psychotherapie der passendere Rahmen
\u003cp\u003eWenn psychische Beschwerden, eine Erkrankung oder ein umfassender Behandlungsbedarf im Vordergrund stehen, ist Psychotherapie der passendere Rahmen. Falls sich dies während der Selbsterfahrung zeigt, besprechen wir die Abgrenzung und ein geeignetes weiteres Vorgehen.\u003c/p\u003e
Was kostet eine Sitzung
\u003cp\u003eDas Honorar beträgt CHF 200 pro 60 Minuten. Ich rechne nach der tatsächlich genutzten Sitzungsdauer ab und erhebe kein Ausfallhonorar.\u003c/p\u003e
Selbsterfahrung anfragen
Schreibe mir kurz, in welchem Weiterbildungsgang du dich befindest, worum es dir ungefähr geht und ob du einen Termin in Tägerwilen oder online bevorzugst. Für die erste Anfrage musst du keine persönlichen Einzelheiten oder belastenden Erlebnisse per E-Mail schildern.
